Ein Mama-Sohn-Glücksmoment

Ein Mama-Sohn-Glücksmoment

Manche Tage vergehen so schnell, dass ich abends nicht mehr weiß, was morgens noch wichtig war. Dann frage ich mich oft, ob ich überhaupt genug für meine Kinder da bin. Aber meistens passieren genau an diesen Tagen so kleine Begebenheiten, die mir zeigen: Alles ist gut. Ein echter Glücksmoment.

©Helene Souza / <a title="pixelio.de" href="http://www.pixelio.de/media/566187" target="_blank">pixelio.de</a>
©Helene Souza / pixelio.de

Montagabend, kurz nach 22 Uhr. Ich liege in der Badewanne und freue mich, mal wieder ein Badesalz gefunden zu haben, dass meine Haut nicht zu sehr austrocknet. Und die Stille um mich herum ist schön.

In meinem Kopf ist es weniger still. Meine Gedanken kreisen mal wieder in Dauerschleife um Dinge, die ich genau Netz eh nicht ändern kann. Dabei habe ich irgendwie das Gefühl, dass die nächste Katastrophe bevorsteht.

Vielleicht geht morgen wieder eine Zündspule vom Auto kaputt. Solche Temperaturwechsel wie zur Zeit vorherrschen mag das Teil ja gar nicht. Und ist die Große wirklich auf den möglichen Test morgen in Sachkunde vorbereitet? Eine Vier wäre jetzt echt total demotivierend.

Und gerade als meine Gedanken zum Junior wandern, steht er vor mir.

„Mama, mein Bein tut weh.“

„Na, du wächst wohl wieder? Ist es denn sehr schlimm?“

„Ich glaube, es hat nur Hunger. Aber das geht ja nicht.“, sagt er da mit schiefen Grinsen.

“ Na gut,“ sage ich. „Hol dir was kleines aus dem Kühlschrank und dann wird geschlafen.“

„Okay, Mama, aber erst gehe ich auf Toilette.“

Hey , zwei Fliegen mit einer Klappe, denke ich. Dann fällt mir ein wichtiges Thema vom Wochenende ein:

„Sag mal, Junior, hast du heute dein Gedicht vorgetragen?“

„Ja und es war gar nicht schlimm. Meine Lehrerin war sehr zufrieden wie ich das schön gelernt hab.“

Ich will ihn gerade loben, da er sich letzte Woche nicht getraut hatte. Und sich deswegen so standhaft verweigert hatte, dass seine Lehrerin mir ihr Entsetzen darüber schriftlich mitteilen musste. Aber ich komme gar nicht zu Wort. Er plappert fröhlich weiter:

„Ja und ich hab noch eine tolle Nachricht. Die F. hat mich eingeladen. Zum Geburtstag. Ich hole schnell die Einladung.“

Da saust er los und ich höre ihn ewig im Ranzen kramen. Schließlich kommt er nicht mit der Einladung zurück, sondern mit Fotos vom Herbstprojekt, die die Eltern bei seiner Lehrerin bestellen konnten.

„Schau mal, Mama, die kosten nur 60 Euro. Das musst du morgen gestern gleich bezahlen.“

Ich sage ihm natürlich nicht, dass er sicher noch kein Taschengeld bekommt, solange er für vier Fotos so viel Geld ausgeben will. Aber ich steige vorsorglich aus der Badewanne, damit die kostbaren Dinger nicht noch nass werden.

Der Junior kramt schon wieder nach der Einladung im Ranzen herum und freut sich sichtlich, dass er bei dem Kindergeburtstag dabei sein darf. Dabei plappert und plappert und plappert er fröhlich von der Schule (wer so alles zum Gedichtwettbewerb gehen soll), vom neuen Buchstaben (sie haben nun das F kennengelernt) und von seiner Legosammlung (den großen Rennwagen müssen wir noch bauen, Mama).

Dann ist die Einladung gefunden und er packt ganz selbstverständlich alles wieder zusammen. Der Junior macht das sogar zügig und ohne eine Spur des Maulens oder Verzögerns. So schnell wie er zwischen Badewanne und Bett gependelt ist, so schnell ist er nun auch im Bett verschwunden.

Als ich ihm mit halb nassen Haaren Gutenacht sage, seufzt er zufrieden: „Stimmt’s Mama, du gehst jetzt auch ins Bett.“

Ich sage brav: „Ja, mein Schatz.“ und darf das Zimmer verlassen.

Draußen fällt mir wieder ein, dass ich ihn noch wegen der Zeugnismappe fragen wollte. Also, ob er lieber eine grüne oder eine blaue will. Aber das hat Zeit bis morgen. Genau wie der andere Quatsch in meinem Kopf. Dafür war dieser späte Mama-Sohn-Glücksmoment wichtig. Sehr sogar.

Der kleine Mann hatte mich für eine kostbare Zeit ganz für sich allein. Ich durfte einen Blick in seinen Alltag werfen und für den Augenblick aus meinem Sorgenkreislauf aussteigen. Das hat uns beiden gut getan. 

1 Kommentar

  1. Hallo Tina,
    sind es nicht immer die einfachen Dinge die glücklich machen?Die kleinen Gespräche,das freundliche Lächeln oder die liebevolle Berührung zwischendurch?
    Dein Mama/Sohn/Glücksmoment ist so wichtig! Und kostbar..
    In dieser mittlerweile halbwegs durchgeknallten Welt sollte man sich ab und zu ein Refugium schaffen,in dem man wenigstens mit den wichtigsten Menschen (seien es jetzt Kinder oder Partner) ein wenig Zeit teilt.
    Einfach mal abends nicht Fernsehen.Lieber bei einer Flasche Wein mit der Frau die Welt neu aufteilen.
    Ich freue mich zum Beispiel jeden Tag darauf,abends meinen Kindern vorzulesen.Auf die Momente,wenn meine beiden Jungs und ich auf Abenteuertour durch ihre Bücher sind.
    Wir genießen das alle drei sehr.Das ist unser Refugium, unsere kleine Farm mit angrenzender heiler Welt und Superkalifragulistischexpialigetisch etc!

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