Buch: „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie

Buch: „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie

Wie erklärt man seinen Kindern, wo die vielen Flüchtlinge herkommen? Und warum sie zu uns wollen? Und wie es ihnen, vor allem aber den Kindern, dabei geht? Genau dafür haben Kirsten Boie und Jan Birck ein zweisprachiges Kinderbuch gestaltet, das eben diese Fragen sehr anschaulich beantwortet.

"Bestimmt wird alles gut" beim ©Klett Kinderbuchverlag
„Bestimmt wird alles gut“ beim ©Klett Kinderbuchverlag

Zum Inhalt:
Rahaf und ihr Bruder Hassan waren in der syrischen Stadt Homs zu Hause. Sie lebten mit den Großeltern, Onkeln und Tanten sowie deren Kindern in einem großen Haus. So hatten sie immer andere Kinder zum Spielen, was sie am liebsten draußen gemacht haben. Bis die Flugzeuge mit den Bomben kamen. Dann lagen hinterher manche Straßen in Trümmern und manche Menschen waren Tod. Denn in Syrien ist Bürgerkrieg.

Eines Tages verkündet der Vater dann, dass sie weggehen. Und zwar nur Rahafs und Hassans Familie, ohne Großeltern, Onkel, Tanten und Kinder. Zuerst ging es mit dem Flugzeug nach Ägypten. Dann ging es mit dem Schiff weiter. Auf dem wurde es sehr eng, weil so viele Menschen an Bord kamen. Zu viele, weshalb sie plötzlich ohne Koffer und Rucksäcke da standen. Die hatten die Schlepper einkassiert und gaben sie ihnen auch nicht wieder.

Die Überfahrt dauerte acht Tage und Nächte. Es war nicht genug Wasser für alle an Bord und auch der Reis reichte nur für fünf Tage und nur für die Kinder. Dann sind sie endlich in Italien angekommen. Weil sie aber kaum noch Geld und keine Ausweise mehr hatten, konnten sie nur noch Zugfahrkarten bis nach Frankreich kaufen. Für die Fahrt nach Deutschland reichte es nicht mehr, also fuhren sie ohne Fahrkarten und hofften, nicht erwischt zu werden.

In Deutschland kamen sie in ein Erstaufnahmelager. Dort gab es viele andere syrische Menschen und auch Kinder, mit denen sie spielen konnten. Aber nach drei Monaten zogen sie in ein Containerhaus, mit zu wenig Betten für die ganze Familie. Und Rahaf und Hassan sollten nun wieder in die Schule gehen.

In der Schule war es sehr schwierig, weil Rahaf und Hassan die Sprache der anderen nicht verstanden. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie sich in der Schule in dem neuen Land zurecht gefunden haben. Und es wird noch länger dauern , bis der Papa wieder als Arzt arbeiten darf und sie wieder in einer richtigen Wohnung leben können. Immerhin haben sie aber schon neue Freunde gefunden.

Meine Meinung:
„Bestimmt wird alles gut“ behandelt ein brisantes Thema, an dem derzeit aber niemand vorbei kommt. Schließlich gibt es kaum noch Ecken in Deutschland, in denen keine Flüchtlingsheime entstehen und die Erwachsenen sich über die vielen fremden Menschen die Köpfe heiß diskutieren. Und immer öfter begegnet man diesen Menschen auch im Alltag, als Teil des Stadtbildes, Teil des Alltags.

Für Eltern ist es da gar nicht so leicht, Kindern die Situation altersgerecht zu erklären. Schließlich verunsichert der nicht enden wollende Strom an Flüchtlingen schon viele Erwachsene. Wie soll man da den Kindern die Unsicherheit nehmen und sie sachlich informieren.

Genau da hilft dieses Buch. Denn Kirsten Boie hat die richtigen Worte gefunden und erzählt eine für Kinder nachvollziehbare Geschichte. Nachvollziehbar deshalb, weil die Geschichte aus der Sicht von Kindern erzählt wird. Kinder, die ein normales und schönes Leben hatten und dieses aus gutem Grund verlassen mussten.

Auch die Illustrationen von Jan Birck tragen dazu bei, dass Kinder sich mit der Geschichte identifizieren können. Jede einzelne Situation – ob lustig, beängstigend oder hoffnungsvoll – wird anschaulich in den Bildern wiedergegeben. So sieht der Alltag von Rahaf und Hassan am Anfang so aus, wie auch deutsche Kinder ihn kennen und ändert sich dann in etwas Bedrohliches. Wobei auch das noch kindgerecht dargestellt ist.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite: Der Papa ist Arzt. Warum kann er nicht ein einfacher, ehrlicher Handwerker sein? Ein Büromensch meinetwegen. Irgendetwas, das verdeutlicht, dass nicht nur hoch gebildete Menschen zu uns kommen, sondern auch der Durchschnittstyp von nebenan. Selbst Hilfsarbeiter ohne Schulabschluss haben schließlich das Recht auf ein Leben in Frieden.

Das Besondere an diesem Buch ist seine Zweisprachigkeit. Neben oder unter dem deutschen Text steht immer auch die arabische Version. So können sich nicht nur deutsche Kinder mit den Thema Flüchtlinge auseinandersetzen, sondern auch Flüchtlingskinder eine Geschichte in ihrer Sprache lesen, die sie selbst so oder ähnlich erlebt haben. Am Ende des Buches gibt es außerdem noch einen kleinen Sprachführer mit einfachen Sätzen für die erste Verständigung.

Mein Fazit:
„Bestimmt wird alles gut“ ist ein wichtiges und gutes Buch. Diese Geschichte einer Flucht aus Syrien hat sich mit Sicherheit tausendfach genauso abgespielt. Dass sie nun kindgerecht und zweisprachig erscheint, hilft Eltern, ihren Kindern die Situation der Flüchtlinge zu verstehen. Und Verstehen ist das beste Mittel gegen Unsicherheit und Angst gegenüber all diesen fremd wirkenden Menschen, die nun in unser Land kommen.

Altersempfehlung:
Die Macher dieses Büchleins empfehlen das Buch „Bestimmt wird alles gut“ ab sechs Jahren. Trotz der kindgerechten Darstellung kann man das meiner Meinung nach nicht so stehen lassen. Solch doch recht kleinen Kindern sollte man das Buch nur mit zusätzlichen ausführlichen Erklärungen in die Hand geben. Verstehen werden sie es sicher. Zum Selbstlesen und hinterher darüber reden würde ich es erst am 10 Jahren empfehlen.

Infos zum Buch:
Titel: Bestimmt wird alles gut
Autorin: Kirsten Boie
Illustrationen: Jan Birck
Covergestaltung: Florian von Wissel
Verlag: Klett Kinderbuch
ISBN:  978-3-95470-134-6

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