Mutter-Kind-Kur: Ein Jahr danach

Mutter-Kind-Kur: Ein Jahr danach

Vor genau einem Jahr ging meine Mutter-Kind-Kur in der Ostseeklinik Zingst zu Ende. Nun macht man so eine Kur ja nicht zum Spaß, sondern damit es einem zukünftig besser geht. Deshalb werfe ich heute mal einen Blick darauf, was die Kur meinen Kindern und mir gebracht hat.

Mutter-Kind-Kur bei ©Tulpentopf
Mutter-Kind-Kur bei ©Tulpentopf

Im Februar 2015 verbrachte ich drei Wochen in der Ostseeklinik Zingst. Meine Kinder waren damals 6 und 8 Jahre alt und als Patienten mit dabei. Bei uns allen ging es um psychosomatische Symptome/Stressbewältigung. Meine Erfahrungsberichte über die Klinik selbst, über den Therapieplan und die Freizeitangebote habe ich hier schon geschrieben. Auch meine Erkenntnisse direkt nach der Mutter-Kind-Kur könnt ihr hier nachlesen.

Heute geht es darum, was wir aus der Kur in unseren Alltag Zuhause mitnehmen konnten. Denn das zeigte sich zum Teil wirklich erst im Laufe des nun vergangenen Jahres.

Es war schön.
Darin sind wir uns einig. Die Kinder erinnern sich heute noch gern an das Zirkusprojekt, an die Kinderbetreuung und unsere abendlichen Rituale.Ich erinnere mich vor allem nur zu gern an die Stunden, die ich fast allein mit der Ostsee verbrachte. Sehr oft wünsche ich mir, noch einmal so eine Auszeit mit lockerem Terminplan zu haben – weit ab von der üblichen Umgebung. Und so viele Leute um mich, denen ich nichts erklären muss, weil sie selbst oft die gleichen Probleme haben.

Wissen, was den Kindern gut tut
Der Sohn hatte Spaß am Weben. Wenn etwas Spaß macht kann er also stundenlang geduldig sein. Statt Weben gibt es Zuhause nun Legosets zum Bauen nach Anleitung. Die Tochter war nach jedem Trommelkurs wie ausgewechselt, einfach fröhlich und zufrieden. Das gibt uns noch heute gute Ansätze fürs Ablenken von viel zu oft viel zu düsteren Gedanken.

Wissen, was mit gut tut
Der Stockkampf war gut, weil ich in dem Moment an nichts anderes denken konnte und Spaß dabei hatte. Heute helfe ich dem Sohnemann beim Legobauen. Viel reden muss man da nicht, aber man ist zusammen und muss sich konzentrieren. Mit der Tochter entspanne ich beim Ausmalen. Der Sohn versteht es nicht, aber der Tochter und mir macht das Gestalten solcher Ausmalbilder wirklich Freude.

Langeweile ist gut
Wenn die Kinder beim Papa sind und in ca. 20 Minuten wiederkommen, lohnt es sich nicht mehr, irgendwas anzufangen. Also tigerte ich noch vor einem Jahr nervös durch die Wohnung. Inzwischen sitze ich in solchen Situationen eher auf dem Sofa und starre Löcher in die Wand. Dabei hänge ich meine Gedanken in die Wolken und lasse sie vorbeiziehen. Es gibt Leute, die nennen das Meditation.

Zeit für mich
Es ist egal, ob ich in Kino will oder einfach statt der eben beschriebenen 10 Minten Meditation drei Stunden lang vor mich hinstarren will: Ich darf das. Und es ist wichtig. Also mach ich das auch, ohne den Gedanken, die Zeit doch irgendwie besser nutzen zu können.

Kopf hängen lassen
Wenn ich während der Kur am Strand spazieren ging, ärgerte ich mich manchmal über mich selbst. Weil da das weite Meer vor mir lag und ich den Blick nicht von den zwei Metern Sand vor mir weg bekam. Bullshit! Nur weil es mit erhobenem Kopf mehr zu sehen gibt, muss das für den Moment für mich nicht richtig und nicht unbedingt gut sein. Das habe ich aber erst bei unserem Urlaub in Boltenhagen so richtig akzeptieren können.

Zwei von drei
Als ich von der Kur kam hatte ich mir drei große Dinge vorgenommen, die ich in meinem Leben ändern wollte. Zwei davon sind umgesetzt bzw. geben sich gerade die Klinke in die Hand. Zum einen ist da die Vorstandsarbeit im Verein, die ich im November letzten Jahres abgegeben habe. Dafür werde ich ab April meinen Traum vom Studium verwirklichen. Den Mut zum Loslassen und das Selbstwertgefühl, mir das so zu gönnen nahmen ihren Anfang bei der Kur.

Das dritte große Ding
Gut Ding will Weile haben, sagt man so schön. Und dieses dritte Ding erst recht. Mal abgesehen davon, dass es am schwersten umzusetzen ist, habe ich dafür gerade einfach keine Nerven. Wenn sich das Leben ohne Vereinsvorstand und mit Studium als Alltag eingepegelt hat, wird es wieder in Angriff genommen. Solange mag ich darüber aber auch nicht reden. Es reicht, wenn der Plan in meinem Kopf ist und bleibt. Alles zu seiner Zeit.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ich gelernt habe, geduldiger zu sein. Mit mir, mit meinen Plänen, mit den kleinen Dingen. Ich kann mit Langeweile umgehen und wertschätzen, was mir gut tut.Die Mutter-Kind-Kur in Zingst hat unsere Probleme nicht gelöst, aber Ansätze geliefert, wie wir und selbst da durch helfen können. Außerdem ist sie eine schöne Erinnerung für uns drei als Familie.

2 Kommentare

  1. Danke für die Infos, habe vor auch ein Mutter-Kind-Kur zu machen. Die Klinik gefällt mir und deine Kommentaren sind sehr hilfreich. Welches Zimmer oder Gebaüde würdest du uns empfehelen, wir sind zur 2 und mein Sohn (Autist)
    mfg
    nadia

    • Hallo Nadia,
      wir konnten uns unser Zimmer nicht aussuchen.
      Wenn das möglich gewesen wäre, würde ich eins im Erdgeschoss am Ende der einzelnen Gänge nehmen. Dort ist es wohl am ruhigsten und hellsten. Obergeschoss wird eventuell etwas schwierig, wenn du auch zwischendurch viel zu schleppen hast.

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