Mach´s gut, Karamell-Cappuccino! – Eine Auto-Liebesgeschichte

Mach´s gut, Karamell-Cappuccino! – Eine Auto-Liebesgeschichte

Gestern nahmen wir Abschied von „Karamell“. Manchmal hieß er auch „Cappuccino“. Oder einfach „Lieblingsauto“. Denn er ist ein Auto. Bis gestern war er unser Auto. Und der Abschied von ihm fiel uns richtig schwer. Das muss man nicht verstehen. Aber man kann. Eine Auto-Liebesgeschichte.

©BettinaF / <a title="pixelio.de" href="http://www.pixelio.de/media/512072" target="_blank">pixelio.de</a>
©BettinaF / pixelio.de

Mein erstes Auto war ein Nissan Micra. Eine Knutschkugel in Lila. Ganz und gar nicht meine Farbe bei Autos. Aber hey, ein Auto! Es lag sicher nicht an der Farbe, sondern an meinen Fahrkünsten als Anfänger, dass er nur ein paar Monate mit mir überlebte. Und so war die Bindung zwischen ihm und mir nicht nennenswert.

Bei seinem Nachfolger war das schon ganz anders. Und bis heute wird mir warm ums Herz, wenn ich einen Nissan Sunny mit Fließheck und in Rot sehe. Ich erinnere mich an 195 km/h auf der Autobahn bei Schwerin. An unzählige Kilometer im Außendienst mit lauter Musik. An Blechschäden, die dem Auto seine persönliche Note gaben. An eine geile Zeit. Ihn nach 60.000 Kilometern abzugeben, war vernünftig, aber tat auch weh.

Mein Verhältnis zu den Autos danach war unterschiedlich. Den einen Weißen da mochte ich nie, weil er fürs Reisen mit Kind total unpraktisch war. Das war der Silberne auch, aber der war immerhin selbst bezahlt. Und mein großes Kind kann sich an ihn erinnern. Silberpfeil nennt sie ihn noch heute. Wie passend bei einem Opel Vectra. Und manchmal trauert der Junior der rotbraunen Knutschkugel nach, die sonst namenlos blieb. Scheinbar fühlte er sich auf ihrem Rücksitz besonders geborgen.

Gestern nun haben wir „Karamell“ alias „Cappuccino“ abgegeben. Und auch wenn es sich eindeutig um ein Luxusproblem handelt, ist die Tochter nicht die einzige, die ihm nun nachtrauert. Auch ich war gestern ganz schön durch den Wind. Beinahe hätte ich ihn noch demoliert, weil ich an der Waschanlage vergessen hatte, die Antenne abzuschrauben. Stopptaste sei Dank, passierte nichts. Aber ich war wohl für den Moment zu sehr in Erinnerungen versunken.

Erinnerungen an drei Mal Ostsee und zurück. Womit allein schon drei richtig tolle Familienerinnerungen mit diesem Auto verknüpft sind. Von den vielen kleinen Glücksmomenten zwischendurch ganz zu schweigen. Wenn wir drei zur lauten „Lieblingsmugge“ ordentlich abrockten. Also zu Linkin Park oder sowas. Ich weiß auch nicht mehr wie oft wir bei der Fahrt, „Der kleine König“, „Tinkerbell“ oder „Peter Pan“ gehört haben. Manches jedenfalls könnte das Auto sicher mitsprechen.

Auf langen Fahrten nutzten wir immer das Smartphone als Navi. Selbst wenn wir den Weg schon kannten, verfolgte der Junior nur zu gern und ganz genau mit, wann wir unser Ziel erreichen würden. Und die Große versuchte oft, die digital angezeigte Geschwindigkeit anzusagen. Die natürlich schneller wechselte, als sie sie aussprechen konnte, was bei beiden zu wahren Lachflashs führte. Andererseits konnte man sich auch herrlich darum streiten, wer vorn sitzen darf.

Doch in letzter Zeit machte „Karamell“ uns Sorgen. Das ein oder andere Zipperlein mag da akzeptabel sein. Wenn das Auto aber unzuverlässig wird, funktioniert unser Alltag nicht mehr. Warum es ohne Auto gleich gar nicht gehen würde, habe ich hier schon mal beschrieben. Deshalb haben wir uns gestern von diesem Lieblingsauto getrennt. Schweren Herzens und aus Vernunft.

Das nächste steht quasi in den Startlöchern und hat von den Kindern schon den passenden Namen bekommen: Kirsche. Natürlich wegen der Farbe, wie schon sein Vorgänger. Also dann: „Mach´s gut, Karamell/Cappuccino! Danke für deine Ausdauer.“ Und: „Auf geht´s, Kirsche! Lass uns für lange Zeit schöne Erinnerungen sammeln.“

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